Festschrift für Franz Jürgen Säcker zum 70. Geburtstag

Die von Joost, Oet­ker und Paschke her­aus­ge­ge­bene Fest­schrift ent­hält Bei­träge zum all­ge­mei­nen Pri­vat­recht, zum Arbeits­recht, zum Kar­tell- und Ener­gie­recht, eine inter­es­sante Abtei­lung varia” und die fol­gen­den Abhand­lun­gen aus dem Gesell­schafts- und Kapi­tal­markt­recht (Inhalts­ver­zeich­nis):

  • Jan Busche Zur Rechts­na­tur und Aus­le­gung von Beschlüs­sen <ein­sor­tiert unter Pri­vat­recht”>
  • Hel­mut Gro­the Skiz­zen zur feh­ler­haf­ten Gesell­schaft bei der Ver­äu­ße­rung von Antei­len an Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten
  • Mathias Haber­sack Zur sach­li­chen Reich­weite des Rechts­ver­lusts gemäß § 28 S. 1 WpHG
  • Mar­tin Henssler Die Bestel­lung eines Arbeits­di­rek­tors nach § 33 Mit­bestG in der mit­be­stimm­ten kon­zern­ver­bun­de­nen GmbH
  • Joa­chim Jickeli Die Über­prü­fung von Vor­stands­be­zü­gen auf ihre Ange­mes­sen­heit
  • Peter Kind­ler Kapi­tal­ge­sell­schafts­recht­li­che Durch­griffs­haf­tung und EU-Recht
  • Jens Koch Die Anwen­dung der Busi­ness Judgment Rule bei Inter­es­sen­kon­flik­ten inner­halb des Vor­stands
  • Wern­hard Möschel Bad Banks
  • Ulrich Mutsch­ler Zur End­los­haf­tung des Siche­rungs­schuld­ners für Pen­si­ons­an­sprü­che nach § 303 AktG
  • Hart­mut Oet­ker Die Ver­gü­tung des GmbH-Geschäfts­füh­rers im Auf­sichts­rat der mit­be­stimm­ten GmbH
  • Gün­ter H. Roth Das unter­neh­me­ri­sche Risiko
  • Gerald Spind­ler Anle­ger­schutz im Kapi­tal­markt- und Bank­recht – Neu­jus­tie­rung durch Beha­viou­ral Finance?
  • Manuel René Thei­sen Kos­ten­stelle Auf­sichts­rat
  • Gre­gor Thü­s­ing Bezüge i.S. des § 87 AktG und Ver­gü­tung i.S. des § 113 AktG –Eine Kon­tu­rie­rung am Bei­spiel des Per­so­nal­ra­batts
  • Axel v. Wer­derIst Schwei­gen wirk­lich Gold? – Cor­po­rate Gover­nance-Publi­zi­tät bei kon­di­tio­nier­ten Kodex­be­stim­mun­gen
  • Harm-Peter Wes­ter­mann Geht es noch ohne Gesell­schafts­re­gis­ter? – Zur Grund­buch­fä­hig­keit der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts

Personen

Aktienrechtsnovelle 2012: Regierungsentwurf

Der Regie­rungs­ent­wurf eines Geset­zes zur Ände­rung des Akti­en­ge­set­zes strebt eine punk­tu­elle Wei­ter­ent­wick­lung” des Akti­en­rechts an. Von den vier Punk­ten des Refe­ren­ten­ent­wurfs sind drei geblie­ben:

  • Die Finan­zie­rung der AG wird fle­xi­bi­li­siert” (wie RefE: keine zwin­gende Nach­zah­lung bei Vor­zugs­ak­tien; Wan­del­schuld­ver­schrei­bung mit Umtau­sch­op­tion der Gesell­schaft)
  • Namens­ak­tie für nicht bör­sen­no­tierte Gesell­schaf­ten; neu im RegE: Inha­ber­ak­tie kann bei­be­hal­ten wer­den, wenn Ein­zel­ver­brie­fung aus­ge­schlos­sen und Sam­mel­ur­kunde hin­ter­legt wurde.
  • Rela­tive Befris­tung der nach­ge­scho­be­nen Nich­tig­keits­klage (wie RefE).

Nicht mehr dabei ist der Rege­lungs­vor­schlag einer öffent­li­chen Auf­sichts­rats­sit­zung bei (bör­sen­fer­nen) Gesell­schaf­ten mit staat­li­cher oder kom­mu­na­ler Betei­li­gung. Es wird ledig­lich bestimmt, dass die Berichts­pflicht des AR-Mit­glieds auf Gesetz oder Rechts­ge­schäft beru­hen kann (Ergän­zung zu § 394 AktG).

Neu sind Repa­ra­tur­nor­men, die Redak­ti­ons­ver­se­hen frü­he­rer Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren” berich­ti­gen und Zwei­fels­fra­gen klar­stel­len sol­len. Dies betrifft ins­be­son­dere das Recht der Haupt­ver­samm­lung (Ände­run­gen bei den §§ 121, 122, 123, 124, 127, 130, 131 AktG).

Aktiengesellschaft

Festschrift für Jobst Wellensiek

Der bekannte Rechts­an­walt, Kon­kurs­ver­wal­ter, Ver­gleichs­ver­wal­ter, Liqui­da­tor und Insol­venz­ver­wal­ter” und Kur­pfäl­zer Froh­na­tur” (Vor­wort) wurde mit einer Fest­schrift zum 80. Geburts­tag geehrt. Die Rubrik Gesellschaftsrecht&Insolvenz” ent­hält die fol­gen­den Bei­träge:

  • Wer­ner F. Ebke, Die Offen­le­gung des Prü­fungs­be­richts des gesetz­li­chen Abschluss­prü­fers in der Insol­venz des geprüf­ten Unter­neh­mens
  • Gero Fischer, Die Berech­nung des für eine Gebrauchs­über­las­sung nach § 135 Abs. 3 InsO zu zah­len­den Aus­gleichs
  • Alfred Hagebusch/​Christian Knit­tel, Das Span­nungs­feld zwi­schen exis­tenz­ver­nich­ten­dem Ein­griff und berech­tig­ter Gel­tend­ma­chung von Gesell­schaf­ter­for­de­run­gen im GmbH-Kon­zern
  • Peter Hommelhoff/​Rainer Freu­den­berg, Die Unter­neh­mens­krise im SPE-Kon­zern
  • Frank Kebekus/​Wolfgang Zen­ker, Ver­stri­ckung adieu – Aus­wir­kun­gen von Betei­li­gungs­wech­seln und Zes­sio­nen auf Nach­rang und Anfecht­bar­keit von Gesell­schaf­ter­dar­le­hen”
  • Wil­helm Moll, Vor­stands­ver­gü­tung in der Krise
  • Michael Pluta/​Christoph Kel­ler, Gesell­schaf­ter­dar­le­hen im Kon­zern­ver­bund – Zur Frage der Pas­siv­le­gi­ti­ma­tion in Fäl­len der Dritt­leis­tung
  • Jochem Reichert/​Constantin Goette, Das Doberlug”-Urteil des BGH – Anmer­kun­gen aus der Pra­xis
  • Alex­an­der Reu­ter, Die Anfecht­bar­keit der Rück­zah­lung von Gesell­schaf­ter­dar­le­hen im Cash-Pool: Explo­sive Mas­se­ver­meh­rung nach § 135 InsO?
  • Hans P. Runkel/​Jens M. Schmidt, Die Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haf­tungs­be­schränkt) – Ein Bei­trag zur Reich­weite des Sach­ein­la­ge­ver­bots gem. § 5a Abs. 2 Satz 2 GmbHG
  • Kars­ten Schmidt, Nut­zung und Nut­zungs­ent­gelte als Ver­hand­lungs­ge­gen­stand zwi­schen Insol­venz­ver­wal­ter und Gesell­schaf­ter – Leh­ren aus § 135 Abs. 3 InsO.

S. auch hier Vor­wort und Inhalts­ver­zeich­nis (PDF, üppige 14,4 MB; das schöne Foto macht es aus …).

Personen

Kommentare zum AktG

Nach mei­ner letzt­jäh­ri­gen GmbHG-Kom­men­tarzäh­lung jetzt die glei­che Übung zum AktG. Hier sind es inzwi­schen 12 Kom­men­tare, die das Akti­en­recht erläu­tern. Die kleine Pause des Gesetz­ge­bers (seit dem ARUG 2009) haben einige für Fol­ge­auf­la­gen genutzt bzw. sind ganz neu auf den Markt gekom­men.

  • Köl­ner Kom­men­tar zum AktG (Zöllner/​Noack), 3. Aufl. 2004 ff (soeben ist Bd. 8 zur SE kom­plet­tiert wor­den)
  • Groß­kom­men­tar zum AktG (Hopt/​Wiedemann) , 4. Aufl., 1995 ff
  • Mün­che­ner Kom­men­tar zum AktG (Goette/​Habersack), 3. Aufl., 2008 ff
  • Hüffer, 9. Aufl. 2010
  • Schmidt/​Lutter, 2. Aufl. 2010
  • Spindler/​Stilz, 2. Aufl. 2010
  • Bürgers/​Körber, 2. Aufl. 2011
  • Hei­del, 3. Aufl. 2011
  • Höl­ters, 2011
  • Henssler/​Strohn, Gesell­schafts­recht, 2011
  • Wach­ter, 2011
  • Geß­ler, J., Akti­en­ge­setz, Lose­blatt.
Allgemeines

Noch eine Studie zu Aufsichtsräten

Eine Stu­die der Board Aca­demy hat die Pro­file sämt­li­cher Auf­sichts­rats­mit­glie­der bör­sen­no­tier­ter Gesell­schaf­ten (DAX, MDAX, SDAX) aus­ge­wer­tet (1465 Per­so­nen). Erho­ben wur­den Berufs­aus­bil­dung, Man­dats­be­las­tung, Man­dats­lauf­zeit, Lebens­al­ter und Geschlecht. Ein Drit­tel der Man­dats­trä­ger sind Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler, gefolgt von Juris­ten (18%). Die meis­ten Auf­sichts­räte (42%) haben nur ein ein­zi­ges Man­dat, ein Drit­tel beklei­det mehr als vier. Bei 33 AR-Mit­glie­dern seien mehr als 10 Man­date zu ver­zeich­nen (s. aber § 100 II Nr. 1 AktG; die Man­dats­art wird nicht näher ange­ge­ben). 12% der Man­dats­trä­ger sind weib­lich. Die Stu­die stellt fest, dass die Auf­sichts­räte ganz über­wie­gend zwi­schen 51 und 70 Jah­ren alt seien; das ist m.E. wenig über­ra­schend, denn eine gewisse Lebens­er­fah­rung ist doch wohl von­nö­ten. Die Stu­die zieht dar­aus frei­lich den Schluss, dass ein signi­fi­kan­ter Ver­jün­gungs­be­darf” bestehe. Eben­falls wird für eine inter­dis­zi­pli­näre” Wei­ter­bil­dung plä­diert, wobei prak­ti­scher­weise die durch den TüV Süd zer­ti­fi­zierte Board Aca­demy” das pas­sende Ange­bot hat und damit einen akti­ven Bei­trag zum Gemein­wohl” leiste. – Über die Stu­die berich­tet Welt-Online (Medi­en­part­ner der Board Aca­demy) mit der akzen­tu­ier­ten Über­schrift: Auf­sichts­räte sind oft zu alt und unqua­li­fi­ziert” (s. dort auch Leser­kom­men­tare).

Aufsichtsrat

The Role of Institutional Investors in Promoting Good Corporate Governance”

Die OECD hat eine umfas­sende Stu­die über insti­tu­tio­nelle Inves­to­ren in Akti­en­ge­sell­schaf­ten vor­ge­legt: The report is focu­sed on the role of insti­tu­tio­nal inves­tors in pro­mo­ting good cor­po­rate gover­nance prac­tices inclu­ding the incen­ti­ves they face to pro­mote such out­co­mes. It covers 26 dif­fe­rent juris­dic­tions, inclu­ding in-depth reviews of Aus­tra­lia, Chile and Ger­many.” Für Deutsch­land kommt die Stu­die zu der Emp­feh­lung, die Stimm­rechts­aus­übung wei­ter zu erleich­tern; even though a lot has alre­ady been achie­ved (e.g. elec­tro­nic voting, pro­xies).” Von beson­de­rem Inter­esse ist, dass die OECD-Stu­die mehr Koope­ra­tion der Aktio­näre wünscht, aber dann droht bekannt­lich das acting in con­cert” mit fata­len Fol­gen. The rules gover­ning co-ope­ra­tion bet­ween inves­tors have been cla­ri­fied since 2009 but still remain poten­ti­ally restric­tive. … It does mean that inves­tors must pre­sent their views in a highly per­so­na­li­sed man­ner to avoid dis­cus­sing stra­tegy which is really their con­cern. This ser­ves to reduce mar­ket trans­pa­r­ency.” (S. 126 f). Was nun?

Im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt stand das Funk­tio­nie­ren der Gesell­schafts­or­gane Board/​Vorstand/​Aufsichtsrat im Zen­trum der inter­na­tio­na­len Cor­po­rate Gover­nance-Debatte. Jetzt rich­tet sich der Blick auf die Rolle der (gro­ßen) Aktio­näre. Die EU-Kom­mis­sion hat dazu im Grün­buch 2011 pro­gram­ma­ti­sche Über­le­gun­gen ange­stellt, die auf eine Akti­vie­rung bzw. Ver­pflich­tung des Lang­frist­in­ves­tors bzw. Anker­ak­tio­närs hin­aus­lau­fen. Der bri­ti­sche Ste­wardship Code stellt an insti­tu­tio­nelle Inves­to­ren beson­dere Anfor­de­run­gen. Bei alle­dem sollte man beach­ten, dass diese Anstöße aus einem monis­ti­schen Sys­tem kom­men. Ein gesetz­lich pro­te­gier­ter Aktio­närs­ak­ti­vis­mus wäre in ein dua­lis­ti­sches Sys­tem Vorstand/​Aufsichtsrat schwer ein­zu­pas­sen (und stünde im von der OECD erkann­ten Kon­flikt mit den acting in concert”-Regeln). Dazu Hom­mel­hoff, Liber ami­co­rum M.Winter, 2011, S. 255 ff.

Corporate Governance

Hätten Sie es gewusst? Klausur im Schwerpunktbereich Unternehmensrecht 2011 (Düsseldorf)

  1. Bei einer AG herrscht Streit. Aus den Rei­hen man­cher Aktio­näre wird eine andere Geschäfts­po­li­tik ver­langt. Ins­be­son­dere das Vor­stands­mit­glied V ist in die Kri­tik gera­ten. Der mit 1% am Grund­ka­pi­tal betei­ligte Namens­ak­tio­när A fragt, was man tun kann”. Bera­ten Sie den A. Gehen Sie in Ihrer Stel­lung­nahme ins­be­son­dere auf fol­gende Punkte ein:

    Wie kann A nach dem AktG andere Aktio­näre über seine Posi­tion infor­mie­ren? Hat er Ein­blick in das Akti­en­re­gis­ter?

    Ange­nom­men, es fin­den sich genü­gend Mit­strei­ter: Könn­ten sie eine außer­or­dent­li­che Haupt­ver­samm­lung (HV) bewir­ken und ggf. wie?

    Ange­nom­men, es kommt zu einer HV: Kann A ver­lan­gen, dass eine Bild- und Ton­über­tra­gung erfolgt, damit alle Aktio­näre sich infor­mie­ren kön­nen?

    Könnte auf die­ser HV ein Beschluss­vor­schlag der Aktio­näre lau­ten, dass der Geschäfts­be­reich X auf­zu­ge­ben sei?

    Wäre es mög­lich, auf der Ver­samm­lung den V abzu­be­ru­fen oder ihm wenigs­tens das Miss­trauen aus­zu­spre­chen?

    Ist A in der Lage, Ersatz­an­sprü­che der AG gegen V im eige­nen Namen gel­tend zu machen und ggf. wie?

    Könnte sich V ver­tei­di­gen, er habe sich gut infor­miert und eben ein Geschäft ris­kiert, was lei­der mit Ver­lust fehl­ge­schla­gen ist?

  2. Der Auf­sichts­rat hat die Bestel­lung des V zum Vor­stands­mit­glied wider­ru­fen, da die­ser unbe­liebt” sei.
    a) Diese Ände­rung wird ord­nungs­ge­mäß zum Han­dels­re­gis­ter ange­mel­det. Der Regis­ter­rich­ter will nicht ein­tra­gen, da ein wich­ti­ger Grund” nicht vor­liege und V dage­gen klage, wes­halb erst der Aus­gang die­ses Ver­fah­rens abzu­war­ten sei. Zu Recht?
    b) V ist wirk­sam aus dem Vor­stand aus­ge­schie­den. Er ver­klagt danach die AG auf Rest­zah­lung sei­ner Ver­gü­tung. Wer ver­tritt die Gesell­schaft in die­sem Rechts­streit?
  3. Das Bezugs­recht wird zuwei­len als mit­glied­schaft­li­ches Grund­recht” ange­se­hen. Warum? Inwie­fern ist ein Aus­schluss durch Beschluss der HV mög­lich? Euro­pa­recht­li­cher Hin­ter­grund?

Bear­bei­tungs­zeit: 2,5 Std.
(In einem zwei­ten Teil wurde ein Fall zum inter­na­tio­na­len Han­dels- und Wirt­schafts­recht gestellt)

Allgemeines