Amtsgericht Köln verwirft Veröffentlichungsentgelt für Bilanzveröffentlichung im Bundesanzeiger

Es gibt in Deutsch­land ca. 1 000 000 GmbH. Diese Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten müs­sen ihre Rech­nungs­le­gung ver­öf­fent­li­chen – und zwar beim Betrei­ber des Bun­des­an­zei­gers” 3251, II HGB). Das geschieht elek­tro­nisch und kos­tet pro GmbH zwi­schen 30 € und 55. Nach einem Urteil des AG Köln (142 C 639/12 v. 13.10.2014) ist diese Preis­ge­stal­tung unbil­lig”. Nicht nur bei der Mono­pol­stel­lung im Bereich des Daseins­vor­sorge, son­dern auch bei der Pflicht­ver­öf­fent­li­chung nach einem staat­lich regu­lier­ten Ent­gelt”, das auf ein­sei­ti­ger Preis­ge­stal­tung” beruhe, sei eine Kon­trolle ent­spre­chend § 315 BGB” vor­zu­neh­men. Da die Bun­des­an­zei­ger Ver­lag GmbH nicht dazu vor­ge­tra­gen habe, dass die Ent­gelt­be­mes­sung auf­wands­ge­recht sei, hat das Amts­ge­richt die Zah­lungs­klage abge­wie­sen.

Die Jah­res­ab­schlüsse sind gem. § 8b II Nr. 4 HGB auch im Unter­neh­mens­re­gis­ter zugäng­lich, das von den Unter­neh­men eine Pau­schale erhebt. Sie wer­den vom Bun­des­an­zei­ger über­mit­telt (§ 8b III S. 1 Nr. 1 HGB). Die Bun­des­an­zei­ger Ver­lag GmbH betreibt als Belie­hene auch das Unter­neh­mens­re­gis­ter (§§ 8b, 9a HGB), ursprüng­lich bis Ende 2016, jetzt bis zum 31.12.2026. Die Ver­län­ge­rung um 10 Jahre ist in die­sen Tagen durch Ver­ord­nung bestimmt wor­den. Die Bun­des­an­zei­ger Ver­lag GmbH gehört dem Köl­ner Ver­lags­haus M. DuMont Schau­berg.

Publizität

Muss die HV-Stimmrechtsausübung durch einen Checkpoint Charlie“?

Ein Bei­trag aus Groß­bri­tan­nien zur Ände­rung der EU-Aktio­närs­rech­te­richt­li­nie greift die Fokus­sie­rung auf Inter­me­diäre an, wenn es um die Aus­übung von Stimm­rech­ten geht. Ins­be­son­dere wer­den US-Ban­ken ange­gan­gen, die einen Kon­troll­punkt („Check­point Char­lie”) zwi­schen Aktio­när und Gesell­schaft bil­de­ten:

(…) The con­cept is very simple. We own sha­res in a com­pany, we know when the mee­ting is, we know what the issues are: we want to vote. But the sys­tem by which inves­tors vote their sha­res, in par­ti­cu­lar across bor­ders, is frau­ght with com­pli­ca­tion, lack of trans­pa­r­ency (obfu­s­ca­tion) and inef­fi­ci­ency (for owners and mana­gers at least). It is not fit for pur­pose, because it regu­larly disen­fran­chi­ses share­hol­ders. The com­pli­ca­tion lies in the chain of finan­cial inter­me­dia­ries that exists bet­ween com­pa­nies and the bene­fi­cial owner of the sha­res (inclu­ding pen­sion fund mem­bers and retail inves­tors). Cus­to­dian banks, sub-cus­to­dian banks, secu­ri­ties depo­si­ta­ries and their appoin­ted voting agents all play a role (and take their cut). …

One Ger­man example is with the annual votes on dischar­ging direc­tors from lia­bi­lity for the year under review. This reso­lu­tion is often pre­sen­ted as a bund­led reso­lu­tion – where a sin­gle vote is used to vote on all direc­tors at once. Howe­ver, should a share­hol­der wish to oppose the discharge of a spe­ci­fic direc­tor, this can only by done by being phy­si­cally rep­re­sen­ted at the mee­ting. Cus­to­di­ans and sub-cus­to­di­ans aren’t always wil­ling to faci­li­tate this, mea­ning that in effect you can’t arrange to have your rights exer­cised as you wish – and it’s far more expen­sive for for­eign share­hol­ders to do so. …

So inves­tors, far from being free to make their own choices with which to be able to rec­tify the dif­fi­cul­ties they have with share voting, have to vote through the Check­point Char­lie” impo­sed on them by inter­me­dia­ries with an ill-fit­ting Ame­ri­can model. Fur­ther­more, this impin­ges on their right to make their views heard at important cor­po­rate mee­tings across Europe every year.

One final irony: At the spot where Check­point Char­lie was situa­ted, three stre­ets come toge­ther. One of them, Mau­er­straße, means Wall Street”. Both in Ber­lin and in cross-bor­der share voting, Wall Street leads to Check­point Char­lie”.

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Aktiengesellschaft Hauptversammlung

Zur Immobilisierung der Inhaberaktie (Neuregelung § 10 AktG)

Nach Erkennt­nis­sen des Bun­des­kri­mi­nal­amts sind nicht­bör­sen­no­tierte Akti­en­ge­sell­schaf­ten mit Inha­ber­ak­tien für kri­mi­nelle Hand­lun­gen im Bereich der Geld­wä­sche beson­ders anfäl­lig”. Die­ser Satz aus der Begrün­dung zur Akti­en­rechts­no­velle 2014/15 (Regie­rungs­ent­wurf v. 7.1.2015) lässt auf­hor­chen. Lei­der wird nicht gesagt, wel­che tat­säch­li­chen Kri­mi­nal­fälle die­sen Erkennt­nis­sen zugrunde lie­gen. Die Kri­tik an der Inha­ber­ak­tie wird auf inter­na­tio­na­ler Ebene durch die Finan­cial Action Task Force On Money Laun­de­ring (FATF) vor­an­ge­trie­ben. Die FATF ist eine zwi­schen­staat­li­che Orga­ni­sa­tion, deren Mit­glied die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist, und die sich der Bekämp­fung von Geld­wä­sche und von Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung wid­met. Nach erheb­li­cher Kri­tik am deut­schen Akti­en­recht durch die FATF (zuletzt 2014) sieht die Bun­des­re­gie­rung eine Ände­rung des § 10 AktG vor, wonach neu gegrün­dete Akti­en­ge­sell­schaf­ten keine Ein­zel­ur­kun­den über Inha­ber­ak­tien mehr aus­ge­ben dür­fen (Stich­tag: Inkraft­tre­ten der Novelle, zu erwar­ten im Som­mer 2015). Viel­mehr sind die Inha­ber­ak­tien in einer Glo­bal­ur­kunde zu ver­brie­fen, die bei einer Wert­pa­pier­sam­mel­bank zu depo­nie­ren ist. Der ursprüng­li­che Plan, die Inha­ber­ak­tie für nicht bör­sen­no­tierte Gesell­schaf­ten ganz abzu­schaf­fen (Refe­ren­ten­ent­wurf 2010; dazu Noack DB 2010, 2657) wurde nicht wei­ter ver­folgt.

Der jetzt in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­brachte Vor­schlag bedeu­tet eine gewisse Immo­bi­li­sie­rung” der Inha­ber­ak­tie. Sie wird als Glo­bal­ur­kunde gefasst, die zu hin­ter­le­gen ist und deren Mit­ei­gen­tü­mer” durch ent­spre­chende Kon­ten­bu­chun­gen erfass­bar sind – eine brauch­bare Ermitt­lungs­spur für die poli­zei­li­che Ver­fol­gung der Geld­wä­sche­kri­mi­na­li­tät. Der Gesetz­ent­wurf wählt damit in etwa eine der Optio­nen, wel­che die FATF den natio­na­len Legis­la­tio­nen nahe­legt: Das strikte Ver­bot, die Unter­sa­gung der Ver­brie­fung, die Immo­bi­li­sie­rung durch eine Pflicht, die Aktien bei einer staat­lich regu­lier­ten Stelle auf­zu­be­wah­ren oder eine Pflicht von Aktio­nä­ren mit beherr­schen­der Stel­lung, die Gesell­schaft über ihre Iden­ti­tät zu benach­rich­ti­gen, was die Gesell­schaft zu doku­men­tie­ren hat. Letz­te­res ist schon weit vor Erlan­gung einer beherr­schen­den Stel­lung bei bör­sen­no­tier­ten Akti­en­ge­sell­schaf­ten auf­grund § 21 WpHG der Fall (ab 3%), wes­halb die­ser Gesell­schafts­typ nicht von den Ein­schrän­kun­gen bei der Inha­ber­ak­tie betrof­fen ist. Die schon seit lan­gem gel­tende Offen­le­gung eines mit 25% und mehr betei­lig­ten Inha­ber­ak­tio­närs (§ 20 AktG) gegen­über der Gesell­schaft wird nicht als genü­gend erach­tet.

Ob die Inha­ber­ak­tie tat­säch­lich die ihr (ohne recht­stat­säch­li­che Belege) zuge­schrie­be­nen gefähr­li­chen Effekte ent­fal­tet, ist zwei­fel­haft. Zur Anlage von Schwarz­geld taugt sie weni­ger, als auf den ers­ten Blick zu ver­mu­ten ist. Denn bei Grün­dung und Kapi­tal­er­hö­hung sind die betei­lig­ten Per­so­nen gegen­über dem Regis­ter­ge­richt offen­zu­le­gen; die Ein­schal­tung von Stroh­leu­ten ist mög­lich, aber sie schafft Mit­wis­ser. Als Ein­lage ein­ge­zahl­tes, ille­gal erwor­be­nes Ver­mö­gen kommt grund­sätz­lich nur durch legale Erwirt­schaf­tung von ent­spre­chend hohen jähr­li­chen Gewin­nen (§ 57 Abs. 3 AktG) und aus­nahms­weise bei der Liqui­da­tion (§ 271 AktG) gewa­schen” wie­der her­aus. Mög­li­cher­weise gibt es Ein­satz­fel­der als Schat­ten­wäh­rung zur Bedie­nung zwie­lich­ti­ger Geschäfte. Die­ser Ver­dacht dürfte aller­dings auch die blan­ko­in­dos­sierte Namens­ak­tie tref­fen. Wenn die Rechts­form der AG nicht ledig­lich als Tar­nung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung dient, son­dern das Akti­en­recht von den Orga­nen grund­sätz­lich beach­tet wird, kann der Geld­wä­sche-Inha­ber­ak­tio­när weder diri­gie­ren noch Extra­pro­fite gene­rie­ren.

Und wenn man damit Ernst macht, anony­men Struk­tu­ren zu weh­ren, wäre auch an die Regis­trie­rung der Gesell­schaf­ter einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts zu den­ken. Das ist ansatz­weise im Grund­stücks­recht gesche­hen (§ 47 Abs. 2 GBO), aber nicht bei einer GbR als Inha­be­rin des Geschäfts­an­teils einer GmbH oder einer Aktie. Die FATF hätte aus ihrer Zweck­set­zung her­aus also eini­gen Anlass, das deut­sche Gesell­schafts­recht wei­ter auf den Kie­ker zu neh­men.

Um der Geld­wä­sche unter Miss­brauch von Gesell­schafts­an­tei­len von Grund auf zu weh­ren, wäre eine in jeder Hin­sicht kon­sti­tu­tive Ein­tra­gung des Anteils­be­rech­tig­ten in ein offi­zi­el­les Gesell­schafts­re­gis­ter von­nö­ten, dem eine peni­ble Iden­ti­täts­prü­fung vor­an­geht und indem Ver­än­de­run­gen über­wacht wer­den. Fer­ner wären Treu­hand­ver­hält­nisse zu unter­bin­den oder offen­zu­le­gen. Ten­den­zen in letzt­ge­nann­ter Hin­sicht bestehen auf EU-Ebene (Richt­li­ni­en­vor­schlag v. 5.2.2013). Ersicht­lich bedeu­te­ten diese radi­kal-ein­schnei­den­den Rege­lun­gen wesent­lich mehr als die Zurück­drän­gung einer Akti­en­art bei Neu­grün­dun­gen. Mit einem der­ar­ti­gen Regime wäre auf der Ebene der Legis­la­tion zu kon­sta­tie­ren, was zuwei­len über die Judi­ka­tive gesagt wird: bad cases make bad law.

(Der Bei­trag ist gekürzt zuerst erschie­nen im Rechts­board v. 19.1.2015)

Aktiengesellschaft

Was macht die Aktienrechtsnovelle?

Sie ist heute als Regie­rungs­ent­wurf vom Kabi­nett beschlos­sen wor­den. Dazu heißt es: Der von dem Bun­des­mi­nis­ter der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz vor­ge­legte Gesetz­ent­wurf setzt mit der Neu­re­ge­lung der Aus­gabe von Inha­ber­ak­tien ein deut­li­ches Zei­chen für eine effek­tive Bekämp­fung von Ter­ror­fi­nan­zie­rung und Geld­wä­sche.” Beson­ders eilig (als Reak­tion auf diese Kri­tik der FATF) hatte man es aber damit nicht. Der erste Ent­wurf stammt aus dem Herbst 2010.

Aktiengesellschaft

Blogs zum Unternehmensrecht i.w.S.

Eine kleine Über­sicht, die gerne durch Zuruf ver­voll­stän­digt wer­den mag:

Rechts­board: Blog des Han­dels­blatts zu The­men aus den Gebie­ten des Wirt­schafts- und des Arbeits­rechts. Zahl­rei­che Auto­ren, ins­be­son­dere aus der Rechts­an­walt­schaft.

Cor­po­rate Blwag: Mei­nungs­freu­dige und aus­führ­li­che Bei­träge zum Gesell­schafts- und Zivil­recht. Autor: Prof. Dr. Ulrich Wacker­b­arth.

Auf­sichts­rats-Blog: Das ist der Blog für Auf­sichts­räte und User von Director’s Chan­nel”. Auto­rin: Vik­to­ria Kickin­ger.

AR-Reporting: Bei­träge zu den The­men Auf­sichts­rat, Finan­cial Expert und Cor­po­rate Gover­nance. Autor: Prof. Dr. Bernd Schi­chold.

Hog­an­lovells-Blog: Von Arbeits­recht über Cor­po­rate bis zum Wett­be­werbs­recht. Auto­ren aus der namens­ge­ben­den Kanz­lei.

Kar­tell­blog: zu kar­tell­recht­li­chen The­men, wie der Name schon sagt. Autor: RA Dr. Johan­nes Zöttl und Gäste.

LAW-BLOG zum IT-Recht, Geis­ti­gen Eigen­tum, Gewerb­li­chen Rechts­schutz und angren­zen­den Rechts­ge­bie­ten. Auto­ren: Rechts­an­wälte der Mün­che­ner Kanz­lei SNP.

Ver­schmel­zungs­be­richt: Wirt­schafts­recht von Prof. Dr. Olaf Mül­ler-Micha­els” (erscheint sel­ten).

Allgemeines