Bundesratsausschüsse zum MoMiG

Die Aus­schüsse des Bun­des­rats haben zur Vor­be­rei­tung der am 6.7. 2007 anste­hen­den BR-Bera­tung des MoMiG getagt. Wich­tige Kern­punkte der Reform sind von den Aus­schüs­sen ohne Bean­stan­dung gebil­ligt wor­den (Rück­kehr zum bilan­zi­el­len Den­ken bei Kapi­tal­auf­brin­gung und -erhal­tung, Neu­ord­nung des Rechts der Gesell­schaf­ter­dar­le­hen, Auf­wer­tung der Gesell­schafter­liste, gut­gläu­bi­ger Erwerb von Geschäfts­an­tei­len, ver­schärfte Geschäfts­füh­rer­haf­tung für Zah­lun­gen an Gesell­schaf­ter).

Der Rechts­aus­schuss for­dert, die Absen­kung des Min­dest­stamm­ka­pi­tals auf 10 000 Euro zu strei­chen und es bei dem bis­he­ri­gen Wert von 25 000 Euro zu belas­sen. Alter­na­tiv: Das Erfor­der­nis ganz zu strei­chen und den not­wen­di­gen Schutz durch andere Maß­nah­men (zu) gewäh­ren”.

Bemer­kens­werte Dif­fe­ren­zen gab es zwi­schen dem Rechts­aus­schuss und dem Wirt­schafts­aus­schuss bei zwei Fra­gen.

Wäh­rend der Rechts­aus­schuss sich gegen die Ver­wen­dung einer Mus­ter­sat­zung und für die Bei­be­hal­tung eines umfäng­li­chen Beur­kun­dungs­er­for­der­nis­ses bei Abschluss und Ände­rung des Gesell­schafts­ver­tra­ges aus­spricht, emp­fiehlt der Wirt­schafts­aus­schuss dage­gen einen noch wei­ter gehen­den Beur­kun­dungs­ver­zicht. Sowohl bei Abschluss und Ände­rung des Gesell­schafts­ver­tra­ges als auch bei der Abtre­tung von Geschäfts­an­tei­len soll gene­rell eine Beglau­bi­gung der Unter­schrif­ten der Gesell­schaf­ter aus­rei­chend sein.

Wäh­rend der Wirt­schafts­aus­schuss den Auf­wand, den ein Gläu­bi­ger zur Gewähr­leis­tung des Zugang von Wil­lens­er­klä­run­gen an eine juris­ti­sche Per­son betrei­ben muss, noch wei­ter redu­zie­ren will (Zugangs­fik­tion bei erfolg­lo­sem Zustel­lungs­ver­such), spricht sich der Rechts­aus­schuss dafür aus, dass der Gläu­bi­ger nur dann auf die im Gesetz­ent­wurf vor­ge­se­hene Mög­lich­keit der erleich­ter­ten öffent­li­chen Zustel­lung zurück­grei­fen kön­nen soll, wenn er zunächst einen Zustel­lungs­ver­such an eine in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Union lie­gende bekannte Adresse unter­nom­men hat.

Wei­tere vom Rechts­aus­schuss emp­foh­lene Prüf­bit­ten bezie­hen sich auf die gesetz­li­che Ein­füh­rung der Berech­ti­gung des Geschäfts­füh­rers zur Ein­zel­ver­tre­tung und die Befrei­ung vom Ver­bot der Selbst­kon­tra­hie­rung in § 181 BGB als Regel­fall, die Ein­füh­rung einer Intrans­pa­renz­haf­tung (bei § 41 GmbHG) und eines Insti­tuts des geneh­mig­ten Kapi­tals sowie die Über­ar­bei­tung der Vor­schrif­ten über die Aus­fall­haf­tung der Mit­ge­sell­schaf­ter bei aus­ste­hen­den Ein­la­gen und bei Ein­la­gen­rück­ge­währ.

GmbH

Wagniskapitalbeteiligungsgesetz: Referentenentwurf

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­rium hat heute den RefE eines Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung der Rah­men­be­din­gun­gen für Kapi­tal­be­tei­li­gun­gen (Wag­nis­ka­pi­tal­be­tei­li­gungs­ge­setz- MoR­aKG) vor­ge­legt. Gemein­sam mit dem RegE die­ses Geset­zes sol­len am 8.8.2007 die Eck­punkte des geplan­ten Risi­ko­be­gren­zungs­ge­set­zes vom Kabi­nett beschlos­sen wer­den. Das MoR­aKG sieht eine ziel­ge­naue steu­er­li­che För­de­rung vor, die spe­zi­ell auf Kapi­tal­be­tei­li­gun­gen in junge Unter­neh­men zuge­schnit­ten ist” (Begr RefE). Die Tätig­keit einer Wag­nis­ka­pi­tal­be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft in der Rechts­form der Per­so­nen­ge­sell­schaft, die nur Anteile an Ziel­ge­sell­schaf­ten hält, gilt bei Ein­hal­tung bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen als ver­mö­gens­ver­wal­tend. Die Ein­künfte der Wag­nis­ka­pi­tal-betei­li­gungs­ge­sell­schaft sind des­halb nicht gewer­be­steu­er­pflich­tig.” (Begr RefE).

Wag­nis­ka­pi­tal­be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten bedür­fen der Aner­ken­nung durch die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin). Um aner­kannt zu wer­den, müs­sen Wag­nis­ka­pi­tal­be­tei­li­gungs­ge­sell­schaf­ten über ein Min­destei­gen­ka­pi­tal von einer Mio. Euro ver­fü­gen.

Info­pa­pier des BMF hier.

Unternehmensbeteiligung

5. EU-Gesellschaftsrechts-Konferenz: Kontroverse über EPG und Sitzverlegungsrichtlinie

Die 5. EU-Gesell­schafts­rechts- und Cor­po­rate Gover­nance-Kon­fe­renz am 28.6.2007 in Ber­lin begann mit einer schar­fen Kon­tro­verse zwi­schen EU-Kom­mis­sar McGreevy und dem Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Lehne über die wei­te­ren Schritte im euro­päi­schen Gesell­schafts­recht. MdEP Lehne bekräf­tigte ent­schlos­sen das Vor­ha­ben einer Euro­päi­schen Pri­vat­ge­sell­schaft. Das Euro­päi­sche Par­la­ment hat zu Jah­res­an­fang die Kom­mis­sion zu einem Vor­schlag auf­ge­for­dert. McGreevy äußerte sich ges­tern wei­ter sehr zöger­lich:

The devil lies in the detail. The Com­mis­sion has often been cri­ti­cised for making grand pro­po­sals based on theo­reti­cal pro­blems deli­vering little by way of prac­tical results. This is one of the rea­sons why the EU is out of touch with its citi­zens. This is not my style. I am a prag­ma­tic man who wants to be jud­ged on prac­tical results. This is why I have deci­ded to study the issue fur­t­her before sub­mit­ting a pro­po­sal. I have asked my ser­vices to collect all evi­dence necessary for a detailed eco­no­mic impact ana­ly­sis in order to assess fac­tually whe­ther there is a real case for the Euro­pean Pri­vate Com­pany Sta­tute (EPC).”

Dar­auf­hin drohte Lehne für das Euro­päi­sche Par­la­ment:

We have set a dead­line in the report to the end of this year. If the Com­mis­sion is delay­ing the legis­la­tive pro­ce­dure on the Sta­tute without good rea­son, I shall cer­tainly recom­mend to the Legal Affairs Com­mit­tee an action against the Com­mis­sion for fail­ure to act. Parliament’s right — based on Arti­cle 192 of the EC-Treaty — to ask the Com­mis­sion for legis­la­tive pro­po­sals must be flan­ked by some judi­cial rights. Other­wise, it will become null and void.”

Neben dem EPG-Pro­jekt beschäf­tig­ten sich die ca. 300 Teil­neh­mern die­ser inter­na­tio­na­len Kon­fe­renz mit der Frage: Com­pany Mobi­lity — Does Europe offer the right frame­work?, fer­ner mit dem Thema: One share – one Vote. Pro­por­tio­na­lity bet­ween ownership and con­trol?

Was die Mobi­li­tät von Gesell­schaf­ten in Europa betrifft wurde beklagt, dass die Kom­mis­sion trotz anders­lau­ten­der Ankün­di­gung noch kei­nen Vor­schlag für eine 14. Richt­li­nie (Sitz­ver­le­gung) vor­ge­legt hat. Kom­mis­sar McGreevy wird das in die­sem Jahr auch nicht mehr ver­an­las­sen, er setzt auf eine wei­tere Klä­rung durch ein für Herbst 2007 erwar­te­tes EuGH-Urteil. Dazu kri­tisch Dr. Silja Maul (KPMG):

The fact that the Com­mis­sion has stop­ped work on the Trans­fer of Regis­te­red Office Direc­tive and now intends to await the jud­ge­ment in the Car­te­sio case, which con­cerns the cross-bor­der trans­fer of the regis­te­red office of a limi­ted part­nership from Hun­gary to Italy, is not accep­ta­ble. Even less so, if this means the ces­sa­tion of the work. This case, which will undoub­tedly deve­lop the jud­ge­ments of the ECJ to a cer­tain extent, will not, due to its indi­vi­dual cha­rac­ter, pro­vide a secure basis in prac­tice for how mer­gers are to be con­duc­ted. Important ques­ti­ons, e.g. how is co-deter­mi­na­tion to be dealt with, will not be cla­ri­fied by this jud­ge­ment. I am sure that no major Ger­man com­pany will trans­fer its regis­te­red office on the basis of such an indi­vi­dual jud­ge­ment.”

Europäisches Gesellschaftsrecht

BVerfG: Squeeze-Out-Regelung verfassungsgemäß

Die 3. Kam­mer des Ers­ten Senats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hat heute die Gründe der Ent­schei­dung vom 30.5.2007 ver­öf­fent­licht:

Die Vor­schrif­ten über den Aus­schluss von Min­der­heits­ak­tio­nä­ren nach §§ 327 a ff. AktG ver­let­zen Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG nicht. …Auch das Frei­ga­be­ver­fah­ren nach § 327 e in Ver­bin­dung mit § 319 Abs. 6 AktG wird den Anfor­de­run­gen von Art. 14 Abs. 1 GG an die Ver­fah­rens­ge­stal­tung gerecht. …Auch im Hin­blick auf die mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen an den Frei­ga­be­be­schluss bestehen keine ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.”

Zur Recht­fer­ti­gung einer Squeeze-Out-Rege­lung bemerkt das BVerfG, dass die Zahl der Anfech­tungs­kla­gen gegen Haupt­ver­samm­lungs­be­schlüsse seit Anfang der 1980er Jahre signi­fi­kant ange­stie­gen und die Mehr­zahl der Kla­gen von pri­va­ten Anle­gern mit Kleinst­be­sitz erho­ben wor­den ist. Ange­sichts des­sen liegt die Ein­schät­zung des Gesetz­ge­bers nicht fern, dass Min­der­heits­ak­tio­näre ver­schie­dent­lich Kleinst­be­tei­li­gun­gen aus­nut­zen, um den Haupt­ak­tio­när bei der Unter­neh­mens­füh­rung zu behin­dern und ihn zu finan­zi­el­len Zuge­ständ­nis­sen zu ver­an­las­sen.”

Zur Dis­kus­sion über die Squeeze-Out-Pro­ble­ma­tik s. auch die­sen Bericht über eine Ver­an­stal­tung an der hie­si­gen Uni­ver­si­tät. — Wer die Pra­xis erle­ben möchte, muss nach Mün­chen fah­ren; viel­leicht geht es mor­gen wei­ter, denn die Haupt­ver­samm­lung der HVB ist vor­sorg­lich auf zwei Tage ange­setzt. Wie man hört, haben andere Gesell­schaf­ten eigens auf den heu­ti­gen Tag SO-HVs plat­ziert, offen­bar mit der Erwar­tung, dass man in Ruhe gelas­sen wird, da sich die Haupt­op­po­nen­ten die Mün­che­ner HVB vor­neh­men wer­den.

Aktiengesellschaft

AG: keine Kostenerstattung für streitgenössischen Nebeninterventienten bei Klagerücknahme

Ist eine Kos­ten­frage ein Thema für die Unter­neh­mens­recht­li­chen Noti­zen”? Ja, denn es geht um die Anfech­tung von Beschlüs­sen der Haupt­ver­samm­lung einer AG. Der am 18.6.2007 (II ZB 23/06) ergan­gene Beschluss ist dem BGH immer­hin eine Pres­se­mit­tei­lung wert. Keine Kos­ten­par­al­le­li­tät bei streit­ge­nös­si­scher Neben­in­ter­ven­tion” ent­schei­det der II. Zivil­se­nat des BGH. Das bedeu­tet das Aus für die zuletzt im Ger­ling-Ver­gleich prak­ti­zierte Masche: sich mit null Auf­wand an eine Anfech­tungs­klage hän­gen und bei der ver­gleichs­wei­sen Erle­di­gung von der dem Klä­ger güns­ti­gen Kos­ten­re­ge­lung pro­fi­tie­ren. Künf­tig muss die­ser Neben­in­ter­ve­ni­ent seine Kos­ten selbst tra­gen. Damit ist immer­hin eine Ein­nah­me­quelle ver­stopft; sie hat zuletzt sogar das Lager der Berufs­op­po­nen­ten ent­zweit (FAZ v. 16.6.2007).

Aktiengesellschaft Hauptversammlung

Ist ein Nicht-EU-Bürger als GmbH-Geschäftsführer inhabil?

Das OLG Celle hat am 2.5.2007 ent­schie­den (9 W 26/07): Ein rus­si­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger mit Wohn­sitz in Russ­land kann nicht als Geschäfts­füh­rer einer GmbH im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den. Die Erfül­lung der gesetz­li­chen Ver­pflich­tun­gen eines Geschäfts­füh­rers sei nur dann sicher­ge­stellt, wenn die jeder­zei­tige Mög­lich­keit besteht, in das Inland ein­zu­rei­sen. Ein rus­si­scher Staats­bür­ger genießt nicht die Frei­zü­gig­keit des EU-Ver­tra­ges. Er ist auch nicht Ange­hö­ri­ger eines im Anhang II der EU-Visum-Ver­ord­nung auf­ge­führ­ten Staa­ten, die für zeit­lich begrenzte Auf­ent­halte keine Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung benö­ti­gen und für bis zu drei Mona­ten jähr­lich jeder­zeit ein­rei­sen kön­nen. Viel­mehr benö­tigt er zur Ein­reise in jedem Fall einen Auf­ent­halts­ti­tel. Unter die­sen Umstän­den kann der in Aus­sicht genom­mene Geschäfts­füh­rer ins­be­son­dere in Kri­sen­zei­ten des Unter­neh­mens, wenn z. B. Ver­hand­lun­gen mit Geschäfts­part­nern und Gläu­bi­gern zu füh­ren sind, nicht ord­nungs­ge­mäß agie­ren.

Die­ser Beschluss reiht sich ein in die Recht­spre­chung der Ober­lan­des­ge­richte Köln, Hamm und Zwei­brü­cken. Ande­rer Auf­fas­sung ist aber das OLG Dres­den (GmbHR 2003, 537). Lei­der wird der BGH damit nicht befasst, da — so das OLG Celle — die Vor­aus­set­zun­gen des § 28 Abs. 2 FGG nicht erfüllt seien (da hier ein FG-Ver­fah­rens­be­schluss und dort ein Beru­fungs­ur­teil vor­liege).

Das Pro­blem der Ent­schei­dung ist, dass sie wei­tere Anfor­de­run­gen an die Per­son eines Geschäfts­füh­rers stellt als das GmbHG in § 6 vor­sieht. Das Pos­tu­lat, jeder­zeit im Inland in Per­son voll hand­lungs­fä­hig zu sein, steht neben dem Gesetz. Jeden­falls in Zukunft wird diese Recht­spre­chung nicht auf­recht erhal­ten wer­den kön­nen, wenn eine GmbH auch im Aus­land betrie­ben wer­den kann (MoMiG-RegE zu § 4a GmbHG).

GmbH