BGH bekräftigt Sitztheorie

Eine Ltd. aus Sin­ga­pur mit Sitz” in Deutsch­land hat hier einen Anwalt beauf­tragt, aber nicht bezahlt. Wer schul­det sein Hono­rar? Der IX. Zivil­se­nat des BGH (IX ZR 227/06 v. 8.10.2009) sagt: Die für die Gesell­schaft Han­deln­den haf­ten per­sön­lich nach § 11 Abs. 2 GmbHG. Die Gesell­schaf­ter haf­ten ent­spre­chend § 128 HGB.

Begrün­dung: Die Sitz­theo­rie (vgl. BGHZ 53, 181, 183; 78, 318, 334; 178, 192, 196 ff Rn. 19 bis 22) hat der Bun­des­ge­richts­hof nur für die Berei­che auf­ge­ge­ben, in denen nach aus­län­di­schem Recht gegrün­dete Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten im Inland Nie­der­las­sungs­frei­heit genie­ßen ( BGHZ 153, 353, 355 ff : deutsch-ame­ri­ka­ni­scher Freund­schafts-, Han­dels- und Schiff­fahrts­ver­trag vom 29. Okto­ber 1954; BGHZ 154, 185, 188 ff : Art. 43, 48 EG; BGHZ 164, 148, 151 ff : Art. 31 EWR). Nie­der­las­sungs­frei­heit in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land genoss die in Sin­ga­pur gegrün­dete Dritt­be­klagte ers­ter Instanz, die Auf­trag­ge­be­rin des Klä­gers, nicht. Sie mag zwar der Rechts­form nach einer bri­ti­schen Ltd. gleich­ste­hen. Völ­ker­recht­lich bestehen jedoch im Ver­hält­nis zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Repu­blik Sin­ga­pur nur für den gegen­sei­ti­gen Schutz von Kapi­tal­an­la­gen Inlän­der­gleich­be­hand­lung und Meist­be­güns­ti­gung (vgl. Art. 3 und Art. 4 Abs. 3 des Ver­tra­ges zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Repu­blik Sin­ga­pur über die För­de­rung und den gegen­sei­ti­gen Schutz von Kapi­tal­an­la­gen vom 3. Okto­ber 1973, BGBl. II 1975, 49). Die im inter­na­tio­na­len Gesell­schafts­recht zur unein­ge­schränk­ten Anwen­dung des Grün­dungs­sta­tuts uner­läss­li­che Nie­der­las­sungs­frei­heit (vgl. BGHZ 153, 353, 357 a.E.) ist ver­trag­lich zwi­schen die­sen Völ­ker­rechts­sub­jek­ten nicht ein­ge­räumt. Die Haf­tungs­be­schrän­kung der Gesell­schaf­ter auf das Gesell­schafts­ver­mö­gen nach § 13 Abs. 2 GmbHG tritt infol­ge­des­sen ohne die Ein­tra­gung der im Aus­land gegrün­de­ten Gesell­schaft mit deut­schem Sitz in das Han­dels­re­gis­ter gemäß § 11 Abs. 1 GmbHG nicht ein.”

S. auch BGH (II. Zivil­se­nat) zu einer schwei­ze­ri­schen Akti­en­ge­sell­schaft.

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