Gerling AG zahlt über 11 Mio. € an Anfechtungskläger für Verfahrensbeendigung

Ein im elek­tro­ni­schen Bun­des­an­zei­ger v. 21.5.2007 ver­öf­fent­lich­ter Ver­gleich im Ger­ling-Ver­fah­ren hat die Zah­lung von 11 118 385 € zum Gegen­stand. Es klag­ten 39 Per­so­nen gegen einen Beschluss der Haupt­ver­samm­lung vom 20.9.2006. Die Kla­gen wur­den am 18.4.2007 zurück­ge­nom­men. Als Kos­ten­er­stat­tung” wer­den von der Gesell­schaft je Klage gezahlt 210 075, 80 (nied­ri­ger Ver­gleichs­wert) bzw. (prak­tisch rele­van­ter höhe­rer Ver­gleichs­wert) 278 325,80 € netto.

So deut­lich steht es frei­lich nicht im Text des Ver­gleichs, son­dern dies:

  • Die Beklagte leis­tet an die Klä­ger Zah­lun­gen in Höhe der not­wen­di­gen außer­ge­richt­li­chen Kos­ten der Klä­ger nach Maß­gabe des RVG und der ZPO und der fol­gen­den Streit­wert­be­rech­nung (zuzüg­lich 19 % Umsatz­steuer, sofern der betref­fende Klä­ger nicht zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tigt ist): ― Streit­wert des Haupt­sa­che­ver­fah­rens: EUR 500.000, – ; Ver­gleichs­wert: EUR 19.201.790,– (10.159.677 Aktien x EUR 1,89) bzw. EUR 25.704.000,– (10.159.677 Aktien x EUR 2,53) bei Ein­tritt der Vor­aus­set­zun­gen gemäß Ziff. 1.a) oder b); Ver­gleichs­mehr­wert: EUR 18.701.790, – , bzw. EUR 25.204.000,– bei Ein­tritt der Vor­aus­set­zun­gen gemäß Ziff. 1a) oder b). Gebüh­ren­tat­be­stände: 1,3 Ver­fah­rens­ge­bühr Nr. 3100 VV RVG nach Streit­wert Haupt­sa­che­ver­fah­ren; 0,8 Ver­fah­rens­ge­bühr Nr. 3101 Nr. 2 VV RVG nach Ver­gleichs­mehr­wert (Ober­grenze § 15 Abs. 3 RVG); 1,2 Ter­mins­ge­bühr Nr. 3104 VV RVG nach Ver­gleichs­wert; 1,0 Eini­gungs­ge­bühr Nr. 1003 VV RVG nach Streit­wert Haupt­sa­che­ver­fah­ren; 1,5 Eini­gungs­ge­bühr Nr. 1000 VV RVG (Ober­grenze § 15 Abs. 3 RVG) nach Ver­gleichs­mehr­wert.
  • Streit­wert des Frei­ga­be­ver­fah­rens: EUR 500.000, – . Gebüh­ren­tat­be­stände: 0,75 Ver­fah­rens­ge­bühr Nr. 3325 VV RVG; 0,5 Ter­mins­ge­bühr Nr. 3332 VV RVG; 1,0 Eini­gungs­ge­bühr Nr. 1003, 1000 VV RVG.

Wird der Anfech­tungs­pro­zess been­det, hat die bör­sen­no­tierte Gesell­schaft die Ver­fah­rens­be­en­di­gung unver­züg­lich in den Gesell­schafts­blät­tern bekannt zu machen” (§ 248a AktG). Die Bekannt­ma­chung der Ver­fah­rens­be­en­di­gung hat deren Art, alle mit ihr im Zusam­men­hang ste­hen­den Ver­ein­ba­run­gen ein­schließ­lich Neben­ab­re­den im voll­stän­di­gen Wort­laut sowie die Namen der Betei­lig­ten zu ent­hal­ten.” (§ 149 II AktG). Mit die­sen Bestim­mun­gen wollte das 2005 inso­weit refor­mierte Akti­en­ge­setz für Trans­pa­renz sor­gen. Davon ver­sprach sich der Gesetz­ge­ber eine abschre­ckende Wir­kung auf miss­bräuch­li­che Kla­gen” (Begrün­dung UMAG, S. 53). Hin­ter­grund war die Bekämp­fung soge­nann­ter räu­be­ri­scher Aktio­näre”, die sich frü­her ihren Läs­tig­keits­wert durch Zah­lun­gen der Gesell­schaft abkau­fen lie­ßen.

Heute läuft es offen­bar über die Anwalts­ge­büh­ren, die — wie vor­lie­gend — ver­schlüs­selt wer­den. Wenigs­tens die Angabe der Summe sollte der Gesetz­ge­ber vor­schrei­ben, der sich im Übri­gen der Frage der Indi­vi­dual-Anfech­tungs­klage noch ein­mal ener­gisch wid­men muss. — Zu einem ähn­li­chen Fall (Alli­anz) s. hier.

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